Wir erlebten

01. Juli 2010

 

Dieser Tag bleibt ein Gedenkstein für den Rest unseres Lebens!

Gottes Hand war sichtlich über uns und hat uns im Unfall vor dem Tode errettet.

Am Nachmittag sind wir nach Pforzheim, der 60 km entfernte Stadt gefahren, unsere kranken Bekannten zu besuchen. Es war ein heißer, schwüler Tag. Im Auto ohne Klimaanlage spürte man es noch am späten Abend. Ich war müde und schläfrig, wollte aber meine Augen nicht schließen, um nicht negativ auf meinen Viktor zu wirken. Er versicherte mich, dass er munter sei, ich könne ruhig schlummern. Aber die Müdigkeit tat das ihre. Er merkte den rechten Streifen zwischen den Rädern und dann…

Natürlich wurde auch ich hellwach! Ich sah, wie Viktor krampfhaft das Steuer hält. Er sagte nur die Worte „Ei, ei, ei“. Die Bäume am Waldrand „flogen“ an uns vorbei und mit ihnen auch der Gedanke: „Im nächsten Augenblick sind wir tot.“ Da brachte ich die Worte „Lieber Heiland, beschütze uns!“ über die Lippen. Im nächsten Augenblick stand das Auto fest.

Nun sah ich Viktor an und sagte: „Viktor, wir leben!“

Unser Leben wurde gerettet, weil auf der linken Seite die Böschung gemäht war und das Auto mit dem hinteren Teil eine hohe, dünne Tanne abgebrochen hat.

Ja, die Tanne (oder?...) ja selbst Gott lenkte unser Auto von einem dicken Baum ab.

Wie wunderbar ist unser Gott!

 

Meine erste tiefe Erfahrung mit Gott

 

Jesus Christus spricht von einem klugen Hausvater, der aus seinem Schatz Altes und Neues hervorbringt (Matth. 13, 52) . So will auch ich von meiner ersten teuren Erfahrung mit Gott zeugen. Vielleicht kann es auch dir, mein lieber Freund, eine Hilfe im Leben sein.

• Meine Bekehrung

 

Ich habe mich in meiner Kindheit, mit acht Jahren bekehrt. Wenn ich in späteren Jahren nach meiner Bekehrung gefragt wurde, da fühlte ich oft eine Missbilligung, dass man eine Bekehrung in so frühen Jahren nicht als gültig rechnen kann. Ich behauptete nie die Echtheit meiner Bekehrung, aber im Herzen war ich überzeugt, dass ich ein Kind Gottes bin.

Es war im Jahr 1950 – in der Zeit der Verfolgung, da es keine öffentlichen Versammlungen gab.

Meine, wie auch meiner Schwester Elmire ihre Bekehrung, waren eine Frucht der Arbeit unserer ältesten Brüdern Eugen und Artur Hägele, die zu dieser Zeit noch junge – 15.- und 13. jährige, aber ernste Christen waren.

Wenn unsere Mama auf der Arbeit war, denn sie musste in verschiedenen Schichten arbeiten und war auch oft über Nacht weg, so waren sie unsere Erzieher. Sie hielten mit uns Andacht. Artur brachte uns das Lesen in Deutsch bei. Unser Lesebuch war die Bibel in gotischer Schrift.

Eugen war um unser Seelenheil bekümmert und erklärte uns über die Bekehrung, so gut er es konnte. Dazu hatte ich einen Traum. Es war wie am jüngsten Tag. Jesus kam und alle waren um ihn versammelt, nur ich stand trotzig auf der Seite. Da kam Eugen zu mir und bat mich, ich soll Jesus um Vergebung bitten, aber ich blieb trotzig. Ja, Eugen tat es oft weh, wenn ich von der Mama bestraft wurde und in der Ecke stehen musste, da suchte er immer eine Gelegenheit sich zu mir zu nahen um mich zu erinnern, um Vergebung zu bitten. Ja, ich kannte mein böses Herz.

Nun kam es so weit, dass er mit uns an einem frostigen Winterabend zu unsrem lieben Onkel Edmund Hägele mit seiner Frau – unserer lieben Tante Lene ging. In diesem engen Kreise stiegen unsere kindlichen Gebete um Erlösung empor. Und der Herr antwortete uns, denn unter dem knarren des Frostes unter unseren Füßen, bei sternenklarem Himmel trug es uns wie auf Flügeln nach Hause. Unsere Mama war auf der Arbeit. Am Morgen, als sie nach Hause kam bezeugten wir ihr unsere Freude.

Mit dem Bibellesen stand ich von meinen Geschwistern weit zurück. Denn alle drei waren eifrige Bibelleser. Aber ich liebte den Heiland und bemühte mich vor ihm wohlgefällig zu wandeln.

Zwar machte ich auch kleine Gebetserfahrungen, aber die Erfahrung, von der ich zeugen möchte, ging tief und hat sich in späteren Jahren in anderen Formen wiederholt.

• Die Schul- und Lebensverhältnisse

 

Die Mittelschulreife zu unseren Zeiten, war sieben Klassen. An dieser Regel hielten sich nach den Kriegsjahren fast alle Deutschen. Man suchte dann nach einer Arbeitsstelle. Die Mütter achteten, dass für ein Mädchen das Wichtigste das Nähen ist. Leider war man nach der siebten Klasse erst vierzehn Jahre alt. Auf eine Lehrstelle wurde man erst mit Sechzehn – mit einem Pass (Personalausweis) angenommen. Jeglicher Versuch misslang mir. Da öffnete sich eine andere Möglichkeit (zum Zeitvertrieb) – ein neunmonatiger Kurs als Bürokauffrau. Dieser war aber für ein Nichts geachtet und immerhin war ich zu jung, um irgendwo angestellt zu werden.

 

Zur Sommerzeit suchte ich mir einen Sommerjob. Es waren Feldarbeiten wie: Mist, Kompost und Muttererde auf Transporte laden, Gemüse setzen (oft unter Regen, denn so konnten die Pflanzen besser anwachsen), jäten, ernten und vieles mehr. Die Arbeit war unter Kälte, Regen und Hitze oft sehr schwer und dennoch für einen ganz geringen Lohn. Aber, man schickte sich drein. Beim ausjäten kam ich oft, mit dem besten Willen, den anderen Kolleginnen in den langen Reihen der winzigen Pflanzen, nicht nach.

 

Trotzdem wurde ich, zu meiner Bewunderung, nach kurzer Zeit im Werkzeuglager angestellt und zugleich musste ich im Gemüselager mit Annahme- und Ausgabe der Ware behilflich sein. Das war eine große Erleichterung und ich tat es gerne. Ich weiß nicht, ob ich dafür so recht Gott dankte, aber unterwegs zur Arbeit sang ich oft und hatte frohen Mut!

 

• Eine schwere Prüfung

 

Eines Tages im Herbst, als ich mich auf meinem Arbeitsplatz schon sicher fühlte, kam für mich eine große Prüfung, nämlich:

Nachdem ich die Arbeiter mit dem nötigen Werkzeug versorgt hatte, kam auf mich eine junge schwangere Frau mit einem Zettel von unserem Direktor zu. Der Direktor schrieb kurz und bündig, ich soll das Lager dieser Frau übergeben. Ohne eine Widerrede machten wir uns an die Übergabe, aber im Herzen schmerzte es: „Was habe ich falsch gemacht? Warum hat er, oder mein Kapo mir nichts davon gesagt? Was werden die anderen sagen?“ Und so bohrte in mir so manche Frage. Als ich den Übergabeakt dem Kapo brachte, war es ihm sehr peinlich. Er hat nur sein Mitleid ausgesprochen. Es war klar, dass die junge Frau vor ihrem Mutterschutz auf etliche Monate eine leichte Stelle brauchte. Das war ja so auch richtig, aber wenn jemand hätte mir darüber ein Wort gesagt. Ich aber musste zu dieser Herbstzeit wieder die Mistgabel und Schaufel handhaben. In den nächsten Tagen durfte ich vieles von den Mitarbeitern zu meinen Gunsten hören. Das tat mir gut, aber es machte mich nicht glücklich.

Zu dieser Zeit war auch meine Mama mit dem Stiefvater weggefahren und ich hatte niemand, dem ich mein Herz ausschütten konnte. Zwar waren meine fünf Stiefgeschwister da, aber ihnen wollte ich meine Tränen nicht zeigen. So weinte ich manchmal bei Nacht und betete, dass der Herr diese Last mir abnehmen möge.

Der Herr erhörte mein Gebet, aber auf welche Weise?

Ich nahm das (selbst geschriebene) Liederheft mit der Bitte, der Herr möge mir durch ein Lied die rechte Antwort geben, zur Hand. Im Verzeichnis las ich: „Aufmunterung“, da dachte ich, dass es Etwas für mich sein muss. Und wunderbar, ein jedes Wort war wie für mich persönlich geschrieben:

 

1. Auf, ihr Brüder, wirkt und leidet, seid getreu bis in den Tod,

selstverleugnend, Gott ergeben, lindernd eures Nächsten Not.

2. Sehet nicht nur auf das Eure, suchet nicht den besten Ort,

pflückt die Rosen samt den Dornen: Jesus wird’s vergelten dort.

3. Trachtet nicht nach hohen Dingen, suchet das, was droben ist,

sammelt euch im Himmel Schätze, so gebührt’s dem wahren Christ.

4. Wirket, betet, ringet fleißig, werdet weder müd noch matt,

haltet treu des Herrn Gebote, die er euch gegeben hat.

5. Bleibet fest in der Versuchung, widersteht des Feindes Macht,

klammert euch an die Verheißung, weichen muss die finstre Nacht.

6. Folget stets den Spuren Jesu, seid getreu in dieser Zeit,

dann wird euch zum Ehrenlohne ew’ges Glück und Seligkeit.

War es nicht wunderbar!? Sofort sang ich das Lied so oft, bis ich es auswendig kannte. Die Traurigkeit musste fliehen. Freude erfüllte mein Herz!!! Mir war es nun auch ganz egal, was für eine Arbeit ich erfüllte. Nach etwa zwei Wochen gab der Herr den Siegeslohn, nämlich:

An einem wunderschönen Herbsttag, als wir mit der Ladung der Muttererde abwechselnd auf einen Laster und Traktorwagen beschäftigt waren, sagte der Traktorfahrer, dass ich sofort ins Büro gerufen werde. Ich hatte keine Ahnung um was es ging. Mir war es eine Schande in meiner dürftigen Kleidung dort zu erscheinen. Dort angekommen, wurde mir gesagt, ich soll mich schnell ausziehen und an den Tisch setzen. Ab morgen würde ich diesen Posten einnehmen. Denn die Umstände waren so, dass die Frau an diesem Platz plötzlich, während der Menge Arbeit, kündigen musste. Früher, als ich als Lageristin arbeitete, half ich ihnen in meiner freien Zeit.

 

Nun hatte ich angesichts des kalten Winters ein schönes sauberes und warmes Plätzchen und mit viel höherem Lohn, was für unsere nun große Familie eine schöne Hilfe war.

Mit 17. Jahren durfte ich erfahren, dass der Herr uns nur dann segnen kann, wenn wir im Kampf stille werden und uns ganz in Seinen Willen legen!

 

 

Für alle wunderbare Hilfe lobe und preise ich

meinen lieben Herrn und Erlöser! Amen.

Familie Viktor & Karoline Fritz